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Gewaltfrei Lernen: für Miteinander statt Gegeneinander

20. April 2014 | Von | Kategorie: Bildung-innovativ, General, Köln - Angebote und Produkte

Gewalt hat viele Gesichter. Sie kann in Form von Schlägen, Beschimpfungen, Demütigungen auftreten, laut sein oder eher leise und versteckt. Aber wie sie sich auch zeigt: Schaden richtet sie immer an, auch wenn sie an Schulen auftritt. Sind Einzelne von fortwährender Gewalt an der Schule betroffen, bedeutet das für sie oftmals nicht nur nachhaltig negative Folgen für den schulischen Lernerfolg, sondern beeinträchtigt auch ihre persönliche Entwicklung. Und es erzeugt im Extremfall zugleich einen derart großen seelischen Schmerz, der bis zum Selbstmordversuch führt.

Geht die Gewalt an der Schule über Einzelfälle hinaus, zerstört sie unter Umständen das gesamte Lernklima an der Schule und macht den Schulbesuch für viele zum Horrorerlebnis. Experten der Gewaltprävention treten solchen Entwicklungen entgegen. Sie können frühzeitig dafür sorgen, dass Konflikte an Schulen anders gelöst werden. Und ihre Arbeit hat oft auch dann einen positiven Einfluss, wenn nicht nur (neuer) Gewalt vorgebeugt, sondern auch (vorhandene) Gewalt eingedämmt werden muss.

Eine Initiative, die Maßnahmen zur Gewaltprävention und zum Umgang mit Gewalt an Schulen initiiert, ist „Gewaltfrei Lernen“. Das in erster Linie von der Diplomsportpädagogin und Fachautorin für Bewegtes Lernen Sibylle Wanders entwickelte Konzept setzt unter anderem auf bewegungsreiche Unterrichtseinheiten, in denen „Schüler/innen ihre Teamfähigkeit, Selbstbehauptung und Sprachfertigkeiten“ verbessern. Eine Kölner Schule, die die Dienste von „Gewaltfrei lernen“ 2013 und 2014 in Anspruch genommen hat, war beispielsweise das Apostelgymnasium in Köln.

Gewaltfrei lernen

„Gewaltfrei Lernen macht Kinder und Jugendliche für die gemeinschaftliche Arbeit in der  Klasse und das Lösen von Konflikten wortstark und handlungsfähig! Das evaluierte Programm verbindet erlebnisreiche Partnerspiele für soziales Lernen mit einer Konfliktschulung gegen Ausgrenzung, Gewalt und Mobbing.“  

So beschreibt „Gewaltfrei lernen“ selbst die Intention der Organisation. Zu den Instrumenten, die „Gewaltfrei Lernen“ nutzt, gehören sechs bis acht Stunden umfassende Schulprojekte. Inhalte sind etwa spielerisches Kräftemessen, Einüben von Fairness-Regeln, Reaktionsübungen bei sprachlichen Beleidigungen oder körperlichen Schikanen, Rollenspiele und Gesprächskreise zur Erarbeitung eines Handlungsrepertoires, mit dem SchülerInnen „ihre typischen Konflikte des Schulalltags“ lösen. Neben Veranstaltungen für SchülerInnen gibt es auch Fortbildungen für das Lehrpersonal, sodass alle direkt durch Gewalt an Schulen Betroffenen lernen, ihr entgegenzuwirken und sie im Vorfeld zu vermeiden.

Gewaltfrei lernen an Kölner Schulen

Gewaltfrei lernen arbeitet bundesweit. Ein regionaler Schwerpunkt der in Pulheim (Rhein-Erft-Kreis) ansässigen Organisation ist aber die Arbeit an Kölner Schulen. Zum regionalen Kölner Projekt schreibt „Gewaltfrei Lernen“, dass es „Schulen, Jugendeinrichtungen und Kitas durch informelle und finanzielle Unterstützung eine spielerische Gewaltprävention ermöglicht, „die Schüler in ihrer Kommunikations- und Konfliktfähigkeit weiterentwickelt und somit im Sozialverhalten stärkt“. 2013 und 2014 nutzte etwa das Apostelgymnasium in Köln-Lindenthal die Kompetenzen von „Gewaltfrei Lernen“. Eingebunden ist die Arbeit der Organisation in das Sozialkonzept der Schule.

  • Im Rahmen dieses Konzepts durchläuft die Klasse 6 das erste Modul „Gewaltfrei lernen“ (z.B. mit dem Thema „Ausgrenzung und Gewalt vorbeugen und begegnen“).
  • Klasse 7 thematisiert „Mobbing; Computer und Handy: Chancen und Gefahren“.
  • Klasse 8 widmet sich dann dem zweiten Modul „Gewaltfrei lernen“.

In der neunten Klasse absolvieren die SchülerInnen schließlich ein Sozialpraktikum, bei dem es um ehrenamtlichen Dienst an der Gemeinschaft und am Gemeinwohl geht.

Gewaltprävention – Erfolge

Zahlen zum Erfolg von Gewaltprävention bietet etwa ein 2006 veröffentlichter „Cochrane Review“. Der Bericht beinhaltete Ergebnisse von 56 randomisierten, kontrollierten Studien zur Gewaltprävention an Schulen (vor allem an US-Schulen). „In 34 Studien mit 2.939 SchülerInnen konnte aggressives Verhalten in der Interventionsgruppe unmittelbar nach der Intervention signifikant reduziert werden“, berichtet Gewaltfrei Lernen. Signifikant verringert hatte sich die Gewalt auch an den Schulen aus den sieben Studien, in denen die Auswirkung der Gewaltprävention zwölf Monate nach den Präventionsmaßnahmen erneut geprüft wurde.

Cochrane Reviews sind „systematische Übersichtsarbeiten, die alle zu einer therapeutischen Fragestellung relevanten Studien und andere Forschungsergebnisse zusammenfassen“, schreibt das Deutsche Cochrane Zentrum (DCZ). Das DCZ gehört zur Cochrane Collaboration, die sich als internationales Netzwerk von Fachleuten wie Ärzten, Wissenschaftlern und Methodikern vor allem „die Erstellung, Verbreitung und Aktualisierung von systematischen Übersichtsarbeiten in der Medizin“ zum Ziel setzt.

Auch geförderte Projekte sind möglich

Der Förderverein Gewaltfrei Lernen e.V. vermittelt einerseits bundesweit aktuelles Wissen rund ums Thema „Gewaltfrei lernen“. Zudem vermittelt er aber auch finanzielle Unterstützung für Schülertrainings, Projekte und Fortbildungen, sodass finanzschwache Gruppen ebenfalls die Chance haben, gemeinsam mit „Gewaltfrei Lernen“ Projekte zur Gewaltprävention und für den richtigen Umgang mit Gewalt zu initiieren.

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Themenrecherche

Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen: Gewaltprävention in NRW.

Sozialkonzept des Apostelgymnasiums in Köln 

Organisation “Gewaltfrei Lernen

YouGovPsychonomics AG Studie “Gewalt an Schulen” (2009)

Deutsches Cochrane Zentrum (DCZ)

 

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