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175 Millionen: NRW unterstützt Kommunen bei Inklusion

9. April 2014 | Von | Kategorie: Bildung-News, General, Köln - Angebote und Produkte, Schule innovativ

Das Land Nordrhein-Westfalen wird die NRW-Kommunen in den nächsten fünf Jahren mit insgesamt 175 Millionen Euro dabei unterstützen, behinderten Schülerinnen und Schülern den Besuch von Regelschulen zu ermöglichen. Die sogenannte Inklusion der Kinder an Regelschulen war zuvor teilweise auf Widerstand von Kommunen gestoßen, weil die Finanzierung der Kosten unsicher gewesen ist.

Viele Kommunen fühlten sich bei der Realisierung der Inklusion finanziell überfordert. Mit der jetzt vorliegenden Einigung, die ihnen eine Kostenbeteiligung des Landes bringt, wurde ein wichtiger Schritt bei der Umsetzung der Inklusion in Nordrhein-Westfalen gegangen. Aber was genau ist mit Inklusion gemeint? Wie sehen die rechtlichen Grundlagen aus und wie Beispiele einer bereits realisierten Inklusion in Köln? Die Fragen sind gestellt. Hier kommen einige Antworten.

Was ist Inklusion?

Die Aktion Mensch veröffentlicht auf ihrer Website folgende Definition von Inklusion:

„Jeder Mensch erhält die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter.“

Der Begriff „Inklusion“ bezieht sich also nicht alleine auf die Teilhabe behinderter Schülerinnen und Schülern am Unterricht an Regelschulen, aber er bezieht sich AUCH auf diese Teilhabe.

Inklusion: rechtliche Grundlagen

Grundlage der Inklusion behinderter Schülerinnen und Schüler in NRW ist das Erste Gesetz zur Umsetzung der VN-Behindertenrechtskonvention. Es wurde am 16. Oktober 2013 vom Landtag Nordrhein-Westfalens verabschiedet. Auf Basis des Gesetzes wird ab dem Schuljahr 2014/2015 zunächst ein gemeinsamer Unterricht behinderter und nicht-behinderter SchülerInnen in den Klassen „1“ und „5“ realisiert. Zum Gesetz schreibt das Schulministerium NRW:

„Gemeinsames Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung wird zum gesetzlichen Regelfall. Eltern eines Kindes mit festgestelltem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung müssen nicht länger die Aufnahme an einer allgemeinen Schule eigens beantragen… Nur in begründeten Ausnahmefällen kann hiervon abgewichen werden („Umkehr der Beweislast“)….“

Die Suche nach der Grundlage der Inklusion in NRW reicht aber noch weiter zurück: ins Jahr 2009. Seit dieser Zeit ist die UN-Konvention für Behindertenrechte in Deutschland gültig. Die Konvention legt unter anderem fest, dass Kindern der Besuch einer Regelschule nicht aufgrund einer körperlichen oder geistigen Behinderung verwehrt werden sollte.

Die finanzielle Beteiligung des Bundes

Die jetzt vereinbarte finanzielle Unterstützung von Inklusions-Maßnahmen in den Kommunen durch das Land, teilt sich in diverse Teilsummen: 125 Millionen stehen für notwendige Umbauten an Schulen zur Verfügung, etwa um Hürden für Rollstuhlfahrer abzubauen. Jährlich zehn Millionen Euro (5 Jahre = 50 Millionen Euro) dienen dazu, das Personal an den Schulen aufzustocken, um die Inklusion auf diese Weise zu unterstützen.

Inklusion: die praktische Umsetzung

Bei Maßnahmen, die Inklusion praktisch umzusetzen, können Schulen sich einerseits an Manuals wie dem Manual orientieren, das die Bezirksregierung Düsseldorf im November 2012 herausgebracht hat. Andererseits kann man sich natürlich Praxisbeispiele anschauen. Realität ist Inklusion beispielsweise bereits seit dem Schuljahr 2009/2010 in der St. Nikolaus Schule in Köln-Zollstock. Die behinderten und nicht-behinderten Schülerinnen und Schüler „lernen gemeinsam im Klassenverband, in kleinen Gruppen, mit einem Partner oder alleine“, schreibt die Schule dazu auf ihrer Website. Für das „Gemeinsame Lernen“ steht den Klassen der Schule ein Gruppenraum zur Verfügung. „Die Kinder können sich auch dorthin zurückziehen, wenn sie Ruhe brauchen, sich entspannen wollen oder auch zusätzliche Bewegung brauchen“, berichtet die St. Nikolaus Schule weiter.

Jüngste Maßnahme an der St. Nikolaus Schule ist die Integration von Rollstuhlsport für behinderte UND nicht-behinderte SchülerInnen ins schulische Angebot. Sportlehrer Thomas Klinkenbusch hat dafür eigens eine passende Fortbildung besucht. Was noch fehlte, waren Sponsoren, die benötigte Rollstühle finanzieren. Die wurden jedoch jetzt mit der Sparkasse KölnBonn, der Kölner Bank sowie der Kämpgen-Stiftung und der Vogt-Stiftung gefunden. Sie haben insgesamt 17.423,73 Euro gestiftet und den Rollstuhlsport für die Kinder damit ermöglicht.

Die St. Nikolaus Schule und die dort realisierte Inklusion ist eins vieler Beispiele gelungener Inklusion, die sowohl behinderten als auch nicht-behinderten SchülerInnen Vorteile bringt. Die Inklusion bietet nicht alleine behinderten Kindern die Möglichkeit eines Schulbesuchs, der die Gefahr einer möglichen Stigmatisierung (Sonderschüler) reduziert. Sie bietet zudem allen SchülerInnen die Chance, das schulische Leben um viele Situationen zu bereichern, die Rücksichtnahme und Empathie fördern und Vorurteile abbauen. Und auch das sind Dinge, die man in Schulen lernen sollte.

Themenlinks

Rheinische Post: NRW verankert die Inklusion in Schulen

Spiegel: Inklusion: NRW streitet um Integration behinderter Kinder

Manual “Gemeinsames Lernen” der Bezirksregierung Düsseldorf

St. Nikolaus Schule Köln

Website des Schulministeriums NRW zum Ersten Gesetz zur Umsetzung der VN-Behindertenrechtskonvention

Beitrag der Aktion Mensch zur Inklusion

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Nachhilfe in Köln: Cologne Lernhaus

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