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Atomkraft, die Titanic und Glaube an höchste Sicherheit

15. März 2011 | Von | Kategorie: General, Köln - Angebote und Produkte

Als die Titanic 1912 in See stach, galt sie als unsinkbar und als Wunder der Technik. Sie war das damals größte Schiff der Welt und sie sank. Zeppeline waren einst der Stolz der Lüfte, bis die Hindenburg 1937 Feuer fing, was 35 Menschen das Leben kostete und eine Ära beendete. Was sagt uns das: Es sagt, dass Menschen immer wieder für ihre Technik höchste Sicherheitsstandards beanspruchen und sich irgendwann gezeigt hat, dass auch höchste Sicherheit keine Katastrophen unmöglich macht. In Bezug auf Atomkraft ist das keine unerhebliche Erkenntnis.

In Japan droht der Super-Gau, der größte anzunehmende Unfall eines Kernkraftwerks: die Kernschmelze. Der Kernbrennstoff schmilzt und bahnt sich seinen Weg aus dem Reaktor ins Freie. Die Folgen: Verstrahlung, steigende Krebsraten, viele Tote. Nach dem Super-Gau in Tschernobyl im Jahr 1986 konnte man hierzulande noch beschwichtigen. Das Kernkraftwerk dort war alt, nicht vergleichbar mit deutscher Kernkraft-Technologie. Und auch das Kraftwerk Fukushima, in dem nun ein Super-Gau droht, ist mit etwa vierzig Jahren Alter nicht eben jung. Man könnte also sagen: Der drohende Super-Gau hat auch etwas mit dem Alter des Kraftwerks zu tun und heutige Sicherheitsstandards sind viel weiter. Dann könnte man sich in Deutschland vielleicht dazu entschließen, zumindest bei den ältesten Kernkraftwerken aus einem Moratorium bald eine komplette Schließung zu machen. Gleichzeitig könnte man sagen, die neueren Kernkraftwerke haben weitaus bessere Sicherheitstechnik und bleiben noch eine ganze (lange!) Weile am Netz. Außerdem ist die Gefahr eines Tsunamis in Deutschland eher gering. Der Super-Gau ist hierzulande ein Gespenst, nicht mehr! Ist das so?

Und nun erinnern wir uns einfach nochmals an die Titanic, an das Wunderwerk der Technik. Der Mensch ist fehlbar, nicht perfekt: Kann etwas von Menschen Geschaffenes perfekt sein? Nein, kann es nicht, weshalb man auch bei Kernkraftwerken von Restrisiko spricht, das bisweilen allerdings im Nanobereich angesiedelt wurde. Alles, was der Mensch baut, birgt das Risiko einer Fehlfunktion, ist nicht für die Ewigkeit, wird von fehlbaren Menschen genutzt. Das darf sicherlich nicht zur kompletten Technikfeindlichkeit führen. Bauen wir am besten nichts, gar nichts? Funktioniert nicht! Aber man wird Risiken und Nutzen sorgsam abwägen müssen und da schneiden Kernkraftwerke wohl doch relativ schlecht ab. Mag man es für noch so unwahrscheinlich halten, dass bei deutschen Kernkraftwerken größere Unfälle geschehen (was ich nicht tue), wenn etwas passiert, sind die negativen Folgen immens. Größer als beim Untergang der Titanic. Größer als beim Feuer, das die Hindenburg zerstörte. Zu groß!

Ich bin kein großer Freund der Kernkraft gewesen, war aber auch nie Aktivist oder jemand, der den Kampf gegen Atomkraft für die dringlichste Aufgabe gehalten hat. Die Geschehnisse in Japan haben aber auch meine Meinung verändert. Niemand kann mir mehr mit höchsten Sicherheitsstandards imponieren. Das Risiko ist zu groß. Ein Ausstieg aus der Kernkraft kann wohl nicht ad hoc geschehen. Die Stromversorgung des Landes muss gewährleistet bleiben. Aber für einen planvollen Ausstieg ohne unnötige (!) Wartefristen müssen jetzt die Wege gebahnt werden. Und Stilllegungen der ältesten Kernkraftwerke in Deutschland sollten über ein Moratorium hinausreichen. Nie mehr ans Netz!  Andere Kernkraftwerke sollten schnellstmöglich folgen.

Meine Gedanken sind bei den Menschen in Japan. Ich hoffe, jeder einzelne von der japanischen und längst nicht vergangenen Katastrophe Betroffene hat die Kraft, weiterzumachen, selbst wenn geliebte Menschen gestorben sind. Das ist hier in Stolberg, weit entfernt von der Katastrophe, einfach gesagt, ich weiß. Wir in Deutschland nehmen Anteil. Vielleicht sollten wir auch lernen.

Autor dieses Artikels und Verantwortlicher ist Ansgar Sadeghi.

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