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Blue Shell, Meisterschaften und Poetry Slam — mehr als nur Texte

20. Mai 2010 | Von colognereportadmin | Kategorie: General

Poetry Slam – was bitte ist Poetry Slam? Sie wissen es bereits? Na schön, dann überspringen Sie diese Passage und fahren einfach etwas weiter unten fort! Sie wissen es noch nicht? Nun, man kann Texte lesen, leise, bei sich Zuhause, im Park, in der Bahn, als Fahrer besser nicht im Auto! Man kann sie auch laut lesen. In der Bahn kann das andere Menschen stören. Bei einer Lesung ist es Grundvoraussetzung für eine gute Lesung: zu leise ist zu schlecht. Man kann allerdings auch einen Poetry Slam veranstalten und aus einer Lesung eine „Lesung +“ machen. Dann bildet der Text die Basis für eine Performance, die viel mehr ist als ein reines Vorlesen. Es ist ein Spiel zwischen Performer und Zuhörern und je begeisterter die Zuhörer sind, desto besser ist das für den Performer. Lesen ist etwas Stilles? Nicht immer. Eine der Hochburgen für Poetry Slam in Köln ist das Blue Shell.

Kleine Anleitung für Poeten

Natürlich muss die Basis gut sein: auch bei einem Poetry Slam. Der Text ist die Basis. Und ist der Text sch… (man möge hier einfügen, was man möchte!), hat sein Autor bei einem Poetry Slam schon einmal schlechte Karten. Aus Sch… (fügen Sie auch jetzt ein, was immer Sie möchten) kann man keine Erfolge bauen: Es sei denn, man betreibt Kläranlagen. Als Teilnehmer an einem Poetry Slam sollten also Sie also ein guter Autor sein. Das alleine reicht jedoch nicht. Ein Poetry Slam lebt auch oder gar vor allem von der Darbietung. Sie dürfen fast alles: Sie dürfen NICHT langweilen! Nehmen Sie Ihren Text und starten Sie durch: brüllen, rufen, flüstern Sie ihn, lassen Sie ihn auf die Zuhörer tropfen, die bestenfalls wie Durstige jeden einzelnen Tropfen aufnehmen. Oder nehmen Sie ihn wie einen ganzen Eimer Wasser und schütten ihn über der Menge aus. Auch gut

Wichtig ist: Irgendetwas muss passieren. Bei Ihnen auf der Bühne. Im Publikum. Irgendetwas! Etwas Unterhaltsames, Gutes, Witziges…

Und denken Sie daran: Ein Poetry Slam ist keine Offenes Mikro – Veranstaltung, bei der jeder mal darf und alle IMMER nett zueinander sind. Poetry Slam ist Wettbewerb, ein Kampf. Ein bisschen von Oliver Kahn sollte also in Ihnen schlummern. Nach dem Wettbewerb können Sie dann alle wieder lieb haben. Im Wettbewerb heißt es: Der (die, das) oder ich?

Kleine Geschichte

Als Erfinder des Poetry Slams bezeichnet man zumeist den US-Amerikaner Marc Kelly Smith. Geburtsort des Poetry Slams wäre damit Chicago, ihres Zeichens Stadt des Blues, des Al Capones, der Bears (American Football) und Blackhawks (Eishockey). Der genaue Geburtstag wäre der 20. Juli 1986. An jenem Tag veranstaltete Smith seinen ersten Poetry Slam im Nachtclub „The Green Mile“, einem der ältesten US-amerikanischen Jazz-Clubs. Wer möchte, kann auch nach tieferen Wurzeln suchen und findet vielleicht den Dichterwettstreit der alten Griechen. Wer nicht mag, lässt es einfach. Von Chicago aus trat der Poetry Slam seinen Siegeszug in Nordamerika an und fanden schnell auch in Deutschland einige Freunde. Bis zu den ersten regelmäßigen Poetry Slams hierzulande sollte es jedoch noch dauern. 1996 starteten sie in Düsseldorf, Frankfurt am Main und München. 1997 gab es die erste Poetry Slam – Meisterschaft mit Gewinnern im Einzel- und im Teamplay. Später bekam die U20-Fraktion noch einen eigenen Titel, um den gerungen werden konnte. 1997 sollen etwa 200 Menschen die zwei Tage andauernde Veranstaltung besucht haben. Seither finden die Meisterschaften jährlich an wechselnden Orten statt. 2009 dauerten sie drei Tage und lockten insgesamt etwa 9.000 Besucher. Poetry Slam ist beliebter geworden, keine Frage.

Und noch eine kleine Blue Shell – Slam – Info

Die Kölner Kneipe Blue Shell ist eine der Hochburgen von Poetry Slam in Köln. „The word is not enough“ heißt es dort an jedem dritten Sonntag im Monat. Am 16. Mai setzte das Motto noch eins drauf: „Nobody does it better“. Man könnte auch sagen: Es kann nur eine(n) geben! Oder man kann auch gar nichts sagen und weiterlesen… insgesamt traten acht Wettkämpfer an, um sich im Blue Shell für die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften im Ruhrgebiet zu qualifizieren. Sieger des Wettbewerbes: Jens Krüger. Jener Jens Krüger, der nach eigenen Angaben noch nie in Schweden war, aber fast die Antarktis erreicht hat? Jener Jens Krüger, dessen Texte — so sagt er selbst — meistens vorne anfangen und hinten enden? Ja, genau jener Jens Krüger startet bei den Poetry Slam Meisterschaften. Merkt euch den Namen. Hier nochmals: Jens Krüger. Satzball und Sieg! Und das Blue Shell? Wird sich wohl auch weiterhin dieser unterhaltsamen Art literarischer Darbietung widmen. Vielleicht einmal hingehen? Gucken? Au ja!

Weiterführende Links:

Offizielle The Word is not enough – Seite

Blue Shell in Köln

Reim in Flammen – ein weiterer Poetry Slam in Köln

Slammaniac.de veröffentlicht Termine von Poetry Slams in ganz Deutschland

Wikipedia über Poetry Slam


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