Rupert Neudeck und die Kraft Afrikas in Königsdorf
15. April 2010 | Von colognereportadmin | Kategorie: Was gibt es Neues?Rupert Neudeck – der Name klingt auch für manch einen vertraut, der sich eher wenig mit den Geschehnissen von Ländern außerhalb Deutschlands beschäftigt. Fällt dann noch der Name „Cap Anamur“, regen sich bei den meisten zumindest dunkle Erinnerungen. „Da war doch… war da nicht in Vietnam…“ Stimmt! Da war jede Menge: auch nach der Zeit Neudecks mit der Cap Anamur. Rupert Neudeck ist am 15. April Gast im Literaturforum Königsdorf, wo er sein neues Buch „Die Kraft Afrikas“ vorstellt. Zeit für Fragen und passende Antworten bleibt dabei natürlich auch.
Nicht jeder mag Rupert Neudeck; israel-network.de nannte ihn 2008 „einen Langweiler, der an seiner Vortrags-Drehorgel die immer gleiche Leier von seinen 4 Pässen und den Schikanen bei der Einreise in sein Lieblings-Feindesland Israel wiederholt“. Rupert Neudeck wird das vermutlich verkraftet haben. Dennoch: Aktionen wie die Sperrung eines Kirchenraums vor einer Lesung aus seinem Buch „Ich will nicht mehr schweigen. Recht und Gerechtigkeit in Palästina“ im Jahr 2006 lassen ihn nicht unberührt.
„Ich werde aus Liebe zu Israel auch für die Palästinenser schreien“.
Das schrieb er damals in einer Presseerklärung. Sich gegen israelische Politik zu stellen, heißt für ihn nicht zwangsläufig, sich gegen Israel und vor allem gegen die Israelis zu stellen. Aber ohne Rupert Neudeck würden manche Probleme auf dieser Welt wohl einfach viel tiefer in die Unsichtbarkeit angesichts extremer Nachrichtenfülle rutschen. Schweigen möchte Rupert Neudeck nicht. Bekannt wurde er durch die Cap Anamur, die im Chinesischen Meer Tausende vietnamesischer Flüchtlinge vor Hunger und Tod gerettet hat. Rupert Neudeck ist studierter Philosoph, Germanist, Soziologe und katholischer Theologe. Er ist Jesuit, Journalist und ein Mensch, der in der Regel agiert statt zu lamentieren. Er war Mitglied des Vorstands vom Komitee Cap Anamur / Deutsche Notärzte, später dessen Sprecher. In vielen Teilen der Welt unterstützt die Organisation Hilfebedürftige und aufbauende Projekte, Zum Team des Komitees gehören nicht allein Ärztinnen und Pfleger, sondern auch Logistiker und Baufachleute. Eine sinnvolle Unterstützung von Aufbauarbeiten in der ganzen Welt braucht viele Spezialisten.
Grünhelme e.V.
Seit 2003 agiert er als Vorsitzender der Organisation Grünhelme e.V. Die Basisidee dieser Organisation stammt bereits aus dem Jahr 1961. Sie fußt auf den von John F. Kennedy damals ins Leben gerufenen Peace Corps. Die existieren bis heute und sollen das gegenseitige Verständnis von Amerikanern und Nicht-Amerikanern fördern, indem US-amerikanische Freiwillige im Ausland tätig werden und in ihren Gastländern Projekte unterstützen. Grünhelme e.V. spricht bewusst von der Idee der Friedenscorps, die aufgegriffen werden soll; das tatsächlich existierende Corps in den USA hat diese Idee nach Ansicht der Grünhelme in den letzten 40 Jahren „im Sumpf von Eigennutz und Luxus“ versacken lassen. Und so versteht sich Grünhelme e.V. als Organisation junger Muslime und Christen „in Deutschland, die beim Aufbau von Dörfern, Häusern und Gotteshäusern, Schulen, Baumschulen und Ambulanzen helfen, wo immer es nötig ist. Die gemeinsame Arbeit fördert das bessere Verständnis zwischen den Angehörigen beider Religionen innerhalb der Grünhelm-Teams und bestenfalls auch dort, wo die Grünhelme für die Bevölkerung anderer Länder arbeiten.
Reden mag etwas Gutes sein, nur reden eher nicht; gemeinsam etwas zu tun, ist wohl die bessere Variante.
Das ist wohl ganz im Sinne des mittlerweile über 70 Jahre alten und in Troisdorf bei Köln lebenden Rupert Neudeck; zur Ruhe mögen sich andere setzen. Es gibt noch einiges zu tun für Herrn Neudeck: als jemand, der handelt, aber auch als jemand, der schreibend handelt und der bisweilen versucht, den Blick der Öffentlichkeit in Teile der Welt zu führen, die ansonsten öfters einmal außen vor bleiben. „Die Kraft Afrikas“ ist solch ein Versuch. „Warum der Kontinent noch nicht verloren ist“ lautet der Untertitel und macht den Blick deutlich, den das Buch bietet. Vielen afrikanischen Ländern geht es nach wie vor schlecht, was einerseits aus der mit Kolonialismus und Sklaverei gespickten Geschichte des Kontinents resultiert, andererseits aus häufiger Misswirtschaft regierender Eliten in jüngerer Vergangenheit und Gegenwart sowie aus einer teils fehlgeleiteten und reformbedürftigen westlichen Entwicklungspolitik. Zugleich lenkt Neudeck den Blick auf das Potenzial Afrikas: auf einen Kontinent voller natürlicher Ressourcen wie Rohstoffe, aber auch Sonne und Wind. Vielleicht vor allem aber auf einen Kontinent, auf dem sich viele Menschen nicht aufgegeben haben, auf dem sie kämpfen für eine bessere Zukunft: zum Wohle jedes einzelnen und aller, die in Afrika leben.
Von der westlichen Welt fordert das Buch mehr Vertrauen: Vertrauen in die Kraft Afrikas.
Vorgestellt wird das Buch „Die Kraft Afrikas“ heute (15. April 2010) im Rahmen des Königsdorfer Literaturforums. Und ganz im Sinne des Forums, wird es wohl keine reine Frontal-Veranstaltung a la „Einer liest, alle anderen hören zu“ werden. Es wird auch Fragen geben, neugierige Fragen, spannende Antworten und Dialoge. Eventuell geht manch ein Besucher des Forums anschließend mit dem guten Gefühl nach Hause, dass die Welt angesichts der Probleme, mit denen sie konfrontiert ist, nicht komplett in Lethargie und guten Worten verharrt. Jürgen Streich, engagierter
Rupert Neudeck als Gast des Königsdorfer Literaturforums
am Donnerstag, dem 15. April 2010, um 20 Uhr
im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Königsdorf (Ecke Pfeilstr. / Franz-Lenders-Str.)
Die Veranstaltung ist kostenlos; ein Kostenzuschuss ist jedoch gerne gesehen und wird somit nicht abgelehnt.
Lesen Sie auch über vergangene Veranstaltungen des Königsdorfer Literaturforums: Barack Obama – Yes, he is really good?
Weiterführende Links
Komitee Cap Anamur / Deutsche Notärzte
Wikipedia-Eintrag über Rupert Neudeck



