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Artist Orlando Köln — ein Künstler mitten drin, statt obenauf

4. April 2010 | Von | Kategorie: General, Köln-Leute-Prominenz

Artist Orlando ist Maler. Das stimmt (ein bisschen). Artist Orlando ist auch Musiker. Er ist Poet. Böse Zungen sagen, wer irgendwie alles ist, ist irgendwie nichts. Wer die böse Zunge im Zaum hält, erkennt den Menschen als Quelle übersprudelnder Kreativität, der ein einziges Medium nicht ausreicht, um sich zu äußern. Explodiert man, wenn man seiner Kreativität keinen Raum gibt? Man sollte Artist Orlando einmal fragen. Vielleicht tun wir’s irgendwann!

Geboren wurde der Multikünstler indianischer Abstammung in den Slums von Bogota (Kolumbien). Seit vielen Jahren lebt und arbeitet er in Köln. Er selbst bezeichnet sich auf seiner Internetseite als Partyfreak; es gibt nichts, was mich mehr beruhigt, als vom Lärm der Stadt empfangen zu werden“, kommentiert er selbst sein Bild „Nachleben“ auf seiner Internetseite. Es verwundert es nicht, dass seine ersten Schritte als Performer im Alten Wartesaal in Köln stattfanden.

 

Kreativität überwindet Grenzen

Nur wer sich aus Genres und Kategorien löst, erfindet Neues. Artist Orlando feierte als erster Kölner Künstler eine Techno-Fete in einer Galerie, in der seine Werke ausgestellt wurden (Ausstellung Isabelle). Seine allererste Ausstellung als Maler fand 1993 statt: in einem alten Waschkeller.

„Der Indianer und der Geier“ und „Der Indianer und die schöne Weisse“ heißen Fabeln von ihm.

Er tritt als Techno-Künstler auf, kreiert elektronische Musik, integriert live Stimme und Piano.

Seine Hochzeit im Jahr 2003 wird zur 18-Stunden-Technoparty: Gastmusiker unter anderem: die Punkband Schmandfuß. Berührungsängste mit unterschiedlichen Stilrichtungen gibt’s keine.

2005 stellt er ein einziges Bild im Alten Wartesaal aus: „Der Pfau“. Laut Website waren 500 Gäste geladen: ohne Presse-Tamtam, ohne Sponsoreneinsatz. 800 – so ein Eintrag in YouTube – sollen gekommen sein. Sie blieben nicht fünf Minuten, nicht fünfzehn, sie blieben durchschnittlich vier Stunden. Kunst ist auch die Kunst, Menschen zu fischen, sie zu berühren.

Artist Orlando ist Künstler, Musiker, Philosoph, Schreiber – Mensch… vielleicht vor allem Mensch.

Ein einziges Bild steht im Mittelpunkt und… auch wieder nicht. Es ist der Magnet. Kunst ist mehr als das Kunstwerk.

Der Mensch (wie wir ihn sehen)

Sensibel, melancholisch – das sind Adjektive, die auf der Homepage von Artist Orlando mit ihm verbunden werden. Ein bisschen Schmerz ist oftmals dabei, wenn Kreativität Ausdruck fordert. Vielleicht auch bei ihm? Kreativität kann ein Peitsche schwingender Despot sein, nicht vom Künstler gesteuert, sondern den Künstler steuernd. Sie treibt ihn voran. Artist Orlando schafft sich dennoch immer wieder Auszeiten. Im Jahr, als seine Tochter geboren wurde, malte er nicht. Es gibt Phasen in seinem Leben, die gehören der Familie und den Freunden. Und sie dienen als Zeit der Beobachtung und des Verstehens.

Kreativität braucht Pausen. Und sie braucht Input, manchmal Zeit zu reifen.

Trotz der Pausen ist es viel, was er leistet… unzählige Spagate zwischen Familie, Freundschaften und Kunst in allen Ausdrucksformen. 2004 bekommt er einen leichten Herzinfarkt, seine Gesundheit leidet. Die Kunst des Spagats stoppt das nicht. Mund-zu-Mund-Propaganda trug einst die Botschaft seiner Bilder von Mensch zu Mensch. Sie ist bis heute wichtig für den Artisten Orlando.

„Künstler sein ist ein Titel, den ich in Ehren halte, da ich ihn den Menschen zu verdanken habe, die von mir reden…“ sagte er selbst 2005.

Manche Künstler stehen nicht auf Podesten über Menschenmassen. Sie stehen mitten drin.

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