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U-Bahn-Bau in Köln — manchmal hat man Angst

17. Februar 2010 | Von colognereportadmin | Kategorie: General

U-Bahn 400X250Manchmal hat man in Köln ein bisschen Angst. Das liegt dann nicht unbedingt an der Stadt selbst oder an ihren Einwohnern. Von denen sind viele echt nett und die meisten normal (es sei denn, wir haben gerade Karneval und man ist unvorbereitet). Die Angst kommt mehr von unten. Wir sprechen gerade von der U-Bahn in Köln, vom Bau einer neuen Strecke, von möglicherweise verhökerten Baumaterialien und ebenso möglicherweise gefälschten Messdaten. Man könnte „Kölscher Klüngel“ dazu sagen und mit der Schulter zucken (ohne Verantwortliche damit zu rehabilitieren), wenn… ja, wenn nicht vor bald einem Jahr das Kölner Stadtarchiv eingestürzt wäre und zwei Menschen dabei ihr Leben verloren hätten.

Weiberfastnacht in Köln war auch in diesem Jahr ein Erlebnis mit tanzenden und bisweilen torkelnden Jecken, mit abgeschnittenen Krawatten und gebüzten Bützern. Allerdings gab es gewisse Schatten, die auf jenen Tag fielen, ohne allzu viele Feiernde in Panik zu versetzen. Dennoch: Was herauskam, taugt auch für ein Horrorszenario eines Katastrophenfalls. Eben an jenem Donnerstag wurde bekannt, dass in der Baugrube für den U-Bahnbau am Heumarkt 83 Prozent der Stahlträger fehlen sollen (Für Ganz-und-gar-nicht-Mathematiker: Das sind mehr als acht von zehn Stahlträgern, die eigentlich hätten eingebaut werden sollen). Die Aussage eines Zeugen wurde damit erhärtet. Die Verantwortlichen der Stadt beeilten sich, Sicherheit für die Jecken zu verkünden; schließlich ist der Heumarkt ein Zentrum des närrischen Treibens in Köln. Nun, der Nubbel ist verbrannt, Karneval ist vorbei und nichts ist passiert. Aber der Verdacht bleibt, dass jene fehlenden Bauteile (Beton und Stahlträger) auch etwas mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs zu tun haben könnten und hier ist dann endgültig Schluss mit Lustig.

Am dritten März 2009 stürzte das Kölner Stadtarchiv ein und zerstörte dabei auch Teile angrenzender Gebäude. Anfangs wurden neun Personen vermisst. Nach und nach wurden diese Menschen gefunden: lebend. Alle… bis auf zwei. Am Ende blieben zwei Tote als schreckliche Folge des Einsturzes. Schnell kam der Verdacht auf, der Bau der neuen Nord-Süd-Linie der Kölner U-Bahn könnte Ursache oder Mitursache des Einsturzes sein.

 

Organisierter Pfusch am Bau?

Nach Aussage des Oberstaatsanwalts Günther Feld gegenüber der Süddeutschen Zeitung werde mittlerweile gegen zwei Bauleiter wegen des Verdachts auf „Fälschung von Messdaten ermittelt. Andere Mitarbeiter des U-Bahn-Projekts in Köln würden des Diebstahls und der Unterschlagung von Baumaterialien verdächtigt. Zu wenig Beton, zu wenige Stahlträger, dazu möglicherweise gefälschte Bauprotokolle: Das klingt nicht nach der relativ spontanen Tat Einzelner, sondern nach organisiertem Pfusch am Bau, an dem sich einige bereichert haben. Wie gesagt: Es klingt so! Wir wollen hier ja niemanden vorverurteilen, nicht wahr! Aber es klingt schon irgendwie sehr so. Ganz schön sehr! Sollten die Stahlträger wirklich an einen Schrotthändler verkauft worden sein, dürfte einiges Geld geflossen sein. Und sollten an einigen Stellen tatsächlich über achtzig Prozent der Stahlträger fehlen, dann fällt es irgendwie auch nicht leicht zu glauben, diejenigen, die diese Träger möglicherweise verkauft haben, seien sich so gar nicht bewusst gewesen, dass das die Sicherheit an der Baustelle gefährden könnte. Ja, es ist Aschermittwoch. Es ist Schluss mit Lustig. Es gab zwei Tote!

Aufklärung und Vorsorge

Nun kann nur auf komplette Aufklärung gehofft werden, darauf, dass alle Verantwortlichen für den U-Bahn-Bau auf solch eine Aufklärung drängen und sie vorantreiben. Und darauf, dass auch für mögliche Gefahren in der Zukunft Vorsorge betrieben wird. Man macht sich etwas Sorge in den Medien angesichts der drohenden Frühjahrs-Überschwemmung des Rheins, die die neuen U-Bahn-Schächte in Köln bedrohen könnte. „Panik“ ist sicher die falsche Reaktion. Aber ernst nehmen sollte man Befürchtungen auf jeden Fall. Hier gibt’s nichts herunterzuspielen. Hier ist Handeln angesagt: als Aufklärer und als Katastrophen-Vermeider für die Zukunft. Manchmal hat man in Köln ein bisschen Angst. Hoffen wir, dass es Leute gibt, die beweisen, dass das in Sachen U-Bahn-Bau für die Zukunft nicht sein muss.

Weiterführende Links:

Klüngel am Bau (Welt.de)

Pfusch beim U-Bahn-Bau in Köln (Stern.de)

Fassungslosigkeit nach U-Bahn-Baupfusch (Ruhrnachrichten.de)

U-Bahn-Baustelle soll bis Ende der Woche gesichert sein (Kölner Stadtanzeiger)

Lesen Sie hier unseren Artikel zum ThemaBettensteuer in Köln


n-tv-Beitrag über den Einsturz des Kölner Stadtarchivs

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Ein Kommentar
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  1. [...] dass das Stadtarchiv und Heumarkt die einzig tickenden Zeitbomben im Schienennetz des KVB waren? Die Angst fährt nun immer mit, auch nicht gerade werbeträchtig für die kommende Touristensaison in der Domstadt. [...]

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