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Schwarz auf Weiß – Günter Wallraff als Afrikaner in Deutschland

24. Oktober 2009 | Von colognereportadmin | Kategorie: General

Undercover-Journalismus, Enthüllungsjournalismus – in Deutschland sind diese Facetten des Journalismus eng mit einem Namen verknüpft: Günter Wallraff. Günter Wallraff gab dem Journalismus in Deutschland eine neue Facette. Der 1942 geborene Kölner Journalist steht für eine Art von Journalismus, der Situationen beschreibt, die der handelnde Journalisten selbst erlebt. Dadurch dringt er in Bereiche vor, die ansonsten im Verborgenen geblieben wären. Als Günter Wallraff zum Türken Ali wurde oder zum BILD-Reporter Hans Esser, da verließ er die Position des neutralen Berichterstatters und durchlebte, was er dokumentierte. Für seinen neuen Film „Schwarz auf Weiß“ war er jüngst als Mensch mit schwarzer Hautfarbe in ganz Deutschland unterwegs und sammelte dabei jede Menge Erfahrungen.

Du kannst mir einen… holen!

Aus Günter Wallraff aus Burscheid wurde Kwami Ogonno aus Somalia – es dauerte eine Weile, den weißen Mann in einen schwarzen Mann zu verwandeln, aber es gelang. Mag auch manch ein Schreiber einer Zeitung weiterhin glauben, er hätte den verkleideten Weißen in Kwami Ogonno erkannt, es bleibt fraglich, ob er Wallraff tatsächlich enttarnt hätte, wenn er unbedarft auf ihn getroffen wäre. Günter Wallraff wurde Kwami Ogonno. Die Verwandlung funktionierte und erlaubte dem weißen Kölner Journalisten Günter Wallraff sich für ein ganzes Jahr lang zu fühlen wie ein Schwarzer in Deutschland. Er und sein Team reisten von Ost bis West durchs Land. Kwami Ogonno alias Günter Wallraff scheute sich dabei auch nicht, einen mit Fußballfans voll besetzten Fanzug von Cottbus nach Dresden zu besteigen. Wie so viele Dinge, die Günter Wallraff als Kwami Ogonno erlebt, wurden auch die Szenen dort mit versteckter Kamera und verstecktem Mikrofon aufgenommen. Kwami Ongonno wurde gestoßen, angegrapscht und mit Worten wie „Du kannst mir einen runterholen“ beleidigt. Günter Wallraff beschreibt die Situation später in einem Interview mit Cosmo TV als sehr bedrohlich.

Fremdenfeindlichkeit? Gibt’s nur im Osten?

Nun mag der Blick manch eines Westdeutschen Richtung Osten wandern. „Man hat’s es ja irgendwie immer schon gewusst, im Osten grassiert Fremdenfeindlichkeit“. Im Westen nicht? „Afrika den Affen, Europa für Weiße.“ Diese kurze Formel diente als Begründung, warum Kwami Ogonno der Eintritt in eine Rosenheimer Diskothek verwehrt wird. In Köln wurde ihm aufgrund seiner Hautfarbe eine Mietwohnung verwehrt. Immer wieder testeten weiß gebliebene Weiße aus Wallraffs Team das Verhalten der Menschen, die Ogonno kurz zuvor abgelehnt hatten, gegenüber Weißen. Ihnen erzählte dann etwa jene Kölner Vermieterin, dass sie sich vor dem Schwarzen erschreckt habe und ihm die Wohnung ganz bestimmt nicht vermieten werde. Für Wallraff mag das eine Erfahrung gewesen sein, die er nur bisweilen in seinen Rollen als Undercover-Journalist macht. Für andere Menschen ist das wohl eher Alltag in Deutschland. Die vielen Zurückweisungen und Diskriminierungen blieben auch für den erfahrenen Journalisten Wallraff nichts, was die eigene Seele unberührt lässt. Und so erzählt er auch vom Traum, in ein Krokodilgehege gefallen zu sein und sich tot zu stellen, um zu überleben. Nur nicht auffallen! Manch einer mit schwarzer Hautfarbe mag sich vielleicht täglich in Deutschland zu solch einem Verhalten genötigt fühlen.

Bilder der Hoffnung

Nein, es ist definitiv nicht so, dass offener oder aber verdeckter Rassismus ausgestorben wären in Deutschland. Doch Wallraffs Film zeigt nicht nur Situationen der Ausgrenzung. Es gibt sie, die Bilder der Hoffnung, etwa die der mutigen Polizistin, die sich im Fanzug auf die Seite Kwami Ogonnos stellt oder die des Chefs eines Straßenbauunternehmens, der sich Kwami Ogonno und seinen Begleiter als Mitarbeiter vorstellen kann. Sie nähren die Hoffnung auf ein toleranteres Deutschland. Vielleicht wird’s ja doch noch werden? Lauscht man etwa Menschen mit schwarzer Hautfarbe in Köln, die im Straßeninterview von eigenen Erfahrungen berichten, scheint es auch in der als tolerant geltenden Stadt oftmals noch ein ganzes Stück Weg bis zur von Toleranz geprägten Gesellschaft zu sein.

Kurzportrait Günter Wallraff


Cosmo TV über Schwarz auf Weiß + Interview mit Günter Wallraff und dem Regisseur des Films Pagonis Pagonakis.


Bericht der Lokalzeit (WDR), auch mit Statements Schwarzer in Köln über alltäglichen Rassismus (ab etwa der zweiten Minute)

Weiterführende Links:

Artikel von Günter Wallraff auf Netz-gegen-Nazis.de. Hier schildert er seine Erfahrungen als Schwarzer in Deutschland.

Homepage von Günter Wallraff

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