Kurzportrait Günter Wallraff
24. Oktober 2009 | Von colognereportadmin | Kategorie: GeneralDer Kölner Günter Wallraffs (01.10.1942) war der erste Journalist, der den so genannten Investigativ-Journalismus in Deutschland bekannt machte. Es ist jener Journalismus, bei dem der Journalist in eine Rolle schlüpft, um Erfahrungen zu sammeln, die er außerhalb dieser Rolle wohl nicht sammeln könnte. Wie ist es wirklich, als Türke in Deutschland zu leben? Welche Regeln hat man als Journalist der Bild-Zeitung zu beachten? Investigativ-Journalisten erleben es am eigenen Leib, schreiben es auf, filmen es heimlich. Wallraffs Erfahrungen in der psychiatrischen Abteilung des Bundeswehrlazaretts Koblenz prägend gewesen sein für seine journalistische Arbeit. Man hatte ihn aufgrund seiner Weigerung, mit Waffen zu hantieren, eingewiesen; viele im Umfeld der Klinik hielten ihn für krank. Er schrieb seine Erfahrungen in ein Tagebuch; es half ihm, sie zu verarbeiten. Irgendwann wurde er entlassen: als für Krieg und Frieden untaugliche abnorme Persönlichkeit.” Der Schriftsteller Heinrich Böll ermutigte den damaligen Buchhändler und Lyriker Wallraff zu jener Arbeit, für die er später berühmt wurde. Er führte die Öffentlichkeit dorthin, wo sie ohne ihn wohl nie gelandet wäre. Enthüllungs- und Undercoverjournalismus nennt sich seine Arbeit auch – zu Recht. Sie zerrt das Verborgene ins Licht. Er sei mittlerweile zu alt, um einen Dreißigjährigen zu verkörpern, sagte Wallraff 2009. Aber es besteht Hoffnung, dass Wallraff den Weg bereitet hat, dem andere weiter folgen, auch wenn Wallraff irgendwann seine journalistische Laufbahn beendet.



